Lipödem-Ratgeber für Frauen, Ärzte und Therapeuten

Gründen wir gemeinsam
an Ihrem Ort
ein Lymph-Kompetenz-Netz!

Im Zentrum eines Lymph-Kompetenz-Netzes steht ein Arzt. In größeren Orten können es auch zwei oder drei sein. Denn ohne einen Verordner macht ein derartiges Versorgungsnetz keinen Sinn.

Sprechen Sie Ihnen bekannte Ärzte auf den Oedem-Assistent an, der ihnen die Arbeit spürbar vereinfacht und die lymphologische Versorgung am Ort verbessern kann. Für GKV-Vertragsärzte ist der Oedem-Assistent kostenlos.

Sobald sich an Ihrem Ort ein Arzt hin im Oedem-Assistent registriert hat, nimmt der Medizinalverlag mit den örtlichen Physiotherapeuten und Kompressions-Versorgern auf, um ihnen die Mitwirkung an dem lokalen Lymph-Kompetenz-Netz anzubieten.

Teilnehmen können nur Physiotherapeuten und Kompressions-Versorger, die bestimmte Qualitäts-Kriterien erfüllen.

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© Rainer H. Kraus

Diagnose Lip- / Lymphödem

Lipödem

Das Lipödem ist eine therapiepflichtige Erkrankung der Frau.

Ausnahme: In seltenen Fällen können auch Männer mit hochgradigem Androgenmangel (Hypogonadismus, beidseitige Hodenentfernung, Leberzirrhose, Hormontherapie im Rahmen von Tumorerkrankungen etc.) betroffen sein.

Das Lipödem ist kein Ödem im Sinne der Definition sondern eine diffuse symmetrische Vermehrung von Fettgewebe – vermutlich in Form einer Lipohyperplasie.

Die Ätiologie des Lipödems ist nicht gesichert, es wird aber von einer hormonellen Imbalance sowie einer genetischen Disposition ausgegangen.

Etwa 11 Prozent der erwachsenen Frauen in Deutschland haben Lipödeme (Földi et al., 2005).

In den überwiegenden Fällen kann das Lipödem allein durch Anamnese, Inspektion und Palpation korrekt diagnostiziert werden.

Lymphödem

Das Lymphödem ist eine Ansammlung von Flüssigkeit und Proteinen im Gewebe. Es entsteht, wenn im Interstitium mehr Flüssigkeit anfällt, als durch das Lymphgefäßsystem abtransportiert werden kann.

Das chronische Lymphödem ist aufgrund seiner Progredienz und hohen Neigung zu Folgeerkrankungen (Erysipele etc.) therapiepflichtig.

Im Gegensatz zu allen anderen Ödemen ist das Lymphödem eine Diagnose und kein Symptom einer das Ödem auslösenden Grunderkrankung.

Das Lymphödem ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die an allen äußeren Körpergebieten (Kopf, Hals, Extremitäten, Mammae, Rumpf, Genital) auftreten kann.

Ausnahme: Das passagere Lymphödem infolge von Traumen (OP, Knochenbrüche, Operationen, Prellungen, Verstauchungen, Verrenkungen, Verbrennungen etc.), das sich nach Tagen bis Wochen spontan zurückbildet. Diesen muss vom posttraumatischen sekundären Lymphödem unterschieden werden.

Aufgrund seines hohen Proteingehalts darf das Lymphödem nicht mit Diuretika behandelt werden. Die Diurese erhöht die relative Eiweißkonzentration im Gewebe der betroffenen Gliedmaße. Dies führt zu entzündliche Reaktionen mit Bildung von derben Kollagen-Gewebe.

Hinweis: Bei Vorliegen einer Indikation für Diuretika – Rechtsherz-Insuffizienz etc. – hat die Therapie der schwerwiegenderen Erkrankung Vorrang.

Etwa 3,5 Prozent[1] der erwachsenen Bevölkerung Deutschlands haben Lymphödeme.

Der Anteil der Frauen, die nach einer Mamma-Ca-OP ein Lymphödem bekamen, lag 1972 bei 37,6 %, 1995 bei 16,7% und 2007 bei 8,4 % (Lymphödemstudie Netopil, Ödemklinik Bad Nauheim 2007). Der Rückgang dürfte vorwiegend der verminderten Radikalität der Operation geschuldet sein.

Zwei Drittel der Lymphödeme sind sekundär, ein Drittel primär.

Ausnahme: In den Tropen überwiegen durch Fadenwürmer (Filarien) verursachte gigantische Lymphödeme (Elephantiasis).

Sekundäre Lymphödeme

66 Prozent der sekundären Lymphödeme sind Arm-Lymphödeme. 97 Prozent davon infolge von OP und Radiatio zur Therapie von Mamma-Ca!

31 Prozent der sekundären Lymphödeme sind Bein-Lymphödeme.

Die restlichen 3 Prozent sind lokalisiert an Genitalen, Kopf, Mamma und mehreren Körperregionen.

Ursache für sekundäre Lymphödeme können sein: OP und Radiatio in der Therapie von Malignomen (iatrogenes Lymphödem), Traumen (Verbrennungen, Entzündungen, Vergiftungen, Verätzungen, Sonnenbrand etc.), Insektenstiche, Schlangenbisse, bösartige Tumoren in den Lymphknoten und andere Tumoren, absichtlich zugefügte Abschnürungen (psychische Störungen, Rentenwunsch etc.). Anderenfalls sprechen wir von „idiopathischen Lymphödemen“.

Sekundäre Extremitäten-Lymphödeme beginnen meist proximal und deszendieren nach distal. Darum ist hier das Stemmer’sche Zeichen[2] manchmal erst relativ spät positiv.

Primäre Lymphödeme

94 Prozent der primären Lymphödeme sind Bein-Lymphödeme. 60 % davon treten beidseitig – und grundsätzlich asymmetrisch! – auf.

4 Prozent sind an mehreren Regionen lokalisiert, 1 Prozent an den Armen. Kopf und Genitale sind zu jeweils 0,5 Prozent betroffen.

Nur 3 % der primären Lymphödeme sind ab der Geburt manifest. Meist entstehen sie bei Wachstumsschüben (Einschulung) oder Pubertät, bei Frauen oftmals während einer Schwangerschaft.

Nur 3 % der primären Lymphödeme sind hereditär.

80 % der primären Lymphödeme betreffen Frauen.

Ursache für primäre Lymphödeme können sein: Hypoplasie (in 89 % der Fälle) von Lymphgefäßen, Erweiterung (Lymphangiektasie) (in 10 % der Fälle) von Lymphgefäßen oder Lymphknotenfibrose (in 1 % der Fälle).

Primäre Extremitäten-Lymphödeme beginnen meist distal und aszendieren nach proximal. Darum ist hier das Stemmer’sche Zeichen[2] meist schon sehr frühzeitig positiv.

In den meisten Fällen kann das Lymphödem allein durch Anamnese, Inspektion und Palpation korrekt diagnostiziert werden.

[1] Bei der „Bonner Venenstudie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie“ von 2003 (E. Rabe et al.) wurde, bei 1,8 % der Probanden ein ausgeprägt positives Stemmer’sches Zeichen im Sinne eines manifesten Lymphödems festgestellt. Diese Aussage bezieht sich aber nur auf die unteren Extremitäten. Laut U. Herpertz sind Lymphödeme zu 34 % primär (davon 94 % Bein- Lymphödeme), zu 66 % sekundär (davon 31 % Bein- Lymphödeme). Auf der Basis dieser Daten kann die Gesamthäufigkeit der Lymphödeme in der deutschen Wohnbevölkerung über 18 Jahren auf etwa 3,5 % geschätzt werden

[2] Stemmer’sches Zeichen: Lässt sich die Dorsalhaut der 2. Zehe bzw. des Zeigefingers der betroffenen Extremität mit Daumen und Zeigefinger nicht oder nur sehr schwer (infolge der subkutane Proteinfibrose) abheben oder fälteln, ist das Stemmer’sches Zeichen positiv und es liegt ein Lymphödem vor. Das Stemmer’sches Zeichen kann falsch-negativ sein, niemals aber falsch-positiv.